Das Kinderwohl liegt den Betriebskrankenkassen (BKK) am Herzen. Also bat der BKK Landesverband Hessen um Vorschläge für Aktionen und Maßnahmen, mit deren Hilfe frühkindliches Bewusstseins für Ernährung und Bewegung gefördert und geschärft werden kann.
Unterstützt vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit wurden rund 3.500 Kindergärten, -tagesstätten (Kitas) und Vorschuleinrichtungen angeschrieben. "Landesweite Ideensammlung" war das Ziel. Und Gelegenheit hierzu bot der Kindergarten-Wettbewerb "Fit von klein auf".
Am Freitag, den 18. September 2009, kamen teilnehmende Kindertageseinrichtungen im Frankfurter Familien Erlebniszentrum Vizz (MyZeil) zusammen und freuten sich über offizielles Lob und eine "Party zu Ehren vieler Gewinner".
Der Vorstandsvorsitzende des BKK Landesverbandes Hessen, Jürgen Thiesen, versteht den bereits zum zweiten Mal initiierten Wettbewerb als "gezielten Anreiz zur Nachahmung bewährter Konzepte zur Effektivierung der Gesundheitserziehung".
Die Staatssekretärin im hessischen Gesundheitsministerium, Petra Müller-Klepper, lobte als Schirmherrin, dass so viele hessische Kindertageseinrichtungen aktiv und engagiert an der gesundheitlichen Entwicklung der Kinder mitwirken. "Dies zeigen die von der Jury ausgewählten vorbildlichen Praxismodelle."
Die zehn TOP-Kitas in Hessen:
"Kita II"
Dietzenbach
Sieger wurde die Kindertagesstätte II aus Dietzenbach (Kreis Offenbach). Die Jury lobt vor allem Motivation, Engagement und den "ganzheitlichen Gesundheitsansatz" der Städtischen Einrichtung. Bereits 2007 hatte sich die Kita bei "Fit von klein auf!" beworben. Der damalige 12. Platz spornte an. In einem lernenden Projekt wurde der hohe soziale und multikulturelle Anspruch in vorbildlicher Weise mit gesunder Lebensweise in Einklang gebracht. Dabei überzeugt vor allem das Know-how des Teams, die Kinder aus insgesamt 17 Nationen möglichst kultursensibel mit gesunder Ernährung, optimaler Bewegung oder auch wohltuender "Entschleunigung" zu beschäftigen. Gesundheit ist hier regelmäßige und systematische Projektarbeit. Die Eltern wirken in vorbildlicher Weise mit und können in der Kita sogar hospitieren. Das steigert die Einfühlsamkeit der Erwachsenen und macht Lust auf die Begleitung bei den Spaziergängen über den fußgesunden Barfußpfad. "Toll!" ist aber auch die optimierte Mischkost bereits zum Frühstück. Und die Beobachtung professionell angeführter Nordic-Walking-Kurse für die Kids macht den Eltern nicht minder Spaß. Grundsätzlich gilt: Emotionale Sicherheit ist wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Kinder. Ein Mix aus Fürsorge plus Gewöhnung an Regeln macht's möglich. Hierfür gab es neben dem BKK-Gesundheitskoffer "Fit von klein auf" eine besondere Anerkennung in Höhe von 1.500 Euro. Rund 120 Kinder und deren 17-köpfiges Team pädagogischer Mitarbeiter können die Zuwendung nach eigenen Wünschen investieren.
"Himmelsstürmer"
Nidda-Eichelsdorf
Zweiter Sieger wurden die Himmelstürmer aus dem Kindergarten Nidda-Eichelsdorf (Wetteraukreis). Deren alltagsintegrierte Gesundheitsförderung vertraut auf spielerische Anleitung zu gesundem Bewegungs- und Ernährungsverhalten. Zu wahrer Kochkunst hat es dabei eine feste Gruppe von Kindern gebracht, welche ihr Mittagessen nach selbstentwickelten Speiseplänen eigeninitiativ einkauft und zubereitet. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern, die spielzeugfreien Zeiten, Garten-AG oder der Lauftreff zeichnet die Einrichtung aus. Als Preis erhielt die Kita den obligaten BKK-Gesundheitskoffer plus einen Scheck im Wert von 1.000 Euro.
"Sportkindergarten"
Bad Soden-Salmünster
Nomen est Omen: Im Sportkindergarten des TV Salmünster 1903 e.V. gilt "Bei uns bewegt sich was". Zur Heranführung an ein gesundes Bewegungsverhalten stehen den Kindern daher vielfältige Bewegungsangebote offen. Schwimmen, Inlinern, Klettern, Waldtage und das Kinder-Turn-Abzeichen sind hier selbstverständlich. Und weil solche Aktivitäten hungrig machen, gibt das Erzieherteam sein Ernährungs-Know-how gezielt, aber spielerisch an die Kinder weiter. Prämie für den 3. Platz: Der BKK-Gesundheitskoffer plus 750 Euro für "gute Zwecke".
Auf die Plätze 4 und 5 (je eine Gesundheitskoffer sowie 500 Euro) kamen der Frankfurter Rosengarten und die Integrative Kindertagesstätte Hephata aus Schwalmstadt.
"Rosenkindergarten"
Frankfurt
Der Rosengarten beweist, dass in Einzugsgebieten mit bescheidenen Wohn- und Lebensbedingungen keinesfalls weniger engagiert und erfolgreich Erziehungsarbeit geleistet wird, als in kaufkraftstärkeren Regionen. Im Gegenteil. Das Team Rosengarten begreift Kulturen- und Milieuvielfalt als Herausforderung, der mit Schärfung von Bewegungs- und Ernährungsbewusstsein ideal entsprochen werden kann. Es ist also kein Zufall, dass die Stadtkinder insbesondere am Waldtag, im Schwimmbad, in der Tanz-AG, während der Yoga-Stunde, in der Garten-AG oder auch beim Koch-Diplom besonders eifrig zur Sache gehen.
"Hephate"
Schwalmstadt
Der Integrative Kita Hephata in Schwalmstadt setzt andere Schwerpunkte. Die Mittelhessen wurden als eine der ersten Kindertagesstätten in Hessen überhaupt mit dem Qualitätssiegel "Hessischer Bewegungskindergarten" seitens der Sportjugend Hessen ausgezeichnet. Besondere Bewegungsräume mit pfiffigen Innenarchitekturen sind ein Clou. Aber auch die Außenlage versteht sich als "Einladung zur Bewegung". Auch in Schwalmstadt bewahrheitet sich: Bewegung macht hungrig. Das wiederum reizt zum gemeinsamen Kochen. Anschließend werden Lieblingsgerichte in einem Kochbuch niedergemalt oder –geschrieben. Das regt Eltern und Familien zum Nachkochen an.
Über je einen BKK-Gesundheitskoffer und je 250 Euro freuen sich auch die Teams auf den Plätzen 6 bis 10:
"Sonnenhügel"
Ranstadt-Dauernheim
Der Gemeindekindergarten Sonnenhügel aus Ranstadt - Dauernheim (6. Platz) baut auf "Raus an die Luft!", "Tu was!" und "Ernähre Dich richtig!" Hierzu werden nicht nur bewegte Kindergeburtstage, Ausflüge, Spaziergänge sowie ein Lauftraining angeboten. Sinnlich ist vor allem die „Dunkel-Bar“, in der Kinder und Eltern ihre Sinne schärfen. Leider ist das naturverbundene Spielen auf einer eigenen Streuobstwiese mit Apfel- und Kirschbäumen kein Kita-Standard. In Ranstadt-Dauernheim allerdings ist das Alltag!
"Kirschenstraße"
Viernheim
Die Viernheimer Kindertagesstätte in der Kirschenstraße (7. Platz) adressiert naturnäher als sie tatsächlich gelegen ist: In der Kita werden vor allem Kinder aus einfachen sozialen Verhältnissen betreut. Deren Eltern und Familienangehörige wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Also wurden spezielle Angebote für Gemeinsamkeit geschaffen. Hierzu zählt das u.a. das gemeinsame Kochen & Backen. In der Fußball-AG kicken die Jungen mit den Alten, während sich Töchter & Mamis als Cheerleader versuchen. Auch beim Schwimmen oder während gemeinsamer Waldtage gilt: Gemeinsamkeit mehrt Zufriedenheit und Gesundheit.
"Familienzentrum"
Frankfurt
Auch das Internationale Familienzentrum in Frankfurt (8. Platz) betreibt eine Kindertagesstätte. Dort, im Stadtteil Eschersheim, erwartet die rund 100 betreuten Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren vor allem Abwechslung, Action und Spaß. Essen soll natürlich mehr sein als Kalorienzufuhr auf die Schnelle. Deshalb ist "Genüsslicher Verzehr" statt "Reinstopfen und Weiterspielen" die Parole und beginnt bereits mit der gemeinschaftlichen Zubereitung. Auch die Eschersheimer sind mit dem Qualitätssiegel "Hessischer Bewegungskindergarten" der Sportjugend Hessen ausgezeichnet. Besonderheiten hier: Bällchenbad, Massagen in den Flüsterstunden aber auch die Vorlesestunden der Märchenoma sind besonders beliebt.
"Löwenzahn"
Altenstadt
Auch in der Kita Löwenzahn (Platz 9) gilt "Fit von klein auf!" Der Tag in Altenstadt beginnt darum mit gemeinschaftlichem Aufbau eines Frühstücksbuffets samt anschließendem "Verputzen" im Kinder-Bistro. Dann geht es hinaus in Wetterau, entweder zum wöchentlichen Wald- & Naturtag oder aber zum Lauftraining. Dort geht es um Ausdauer. Und auf Bambinis wird besondere Rücksicht genommen. Die Jury lobt aber auch "das Engagement, die Eltern in die gesundheitsförderlichen Aktivitäten der Einrichtung zu integrieren sowie Begegnungen und das Miteinander von Jung und Alt zu fördern".
Platz 10 teilen sich die Kitas Bärenland (Wetzlar-Dutenhofen) und BimBamBino (Pfungstadt).
"Bärenland"
Wetzlar-Dutenhofen
In der mittelhessischen Kita ist die "Gesundheitsförderung" ein niedergeschriebenes Ziel Das verlangt, das Gesundheitsbewusstsein der Kinder zu stärken sowie Spaß und Genuss an einer gesunden Lebensweise zu vermitteln. In unterschiedlichsten Alltagssituationen gelingt dies am besten: Beim Blick in die Frühstücksdosen bspw. fallen Vollkornprodukte, Obst und Gemüse auf. Das liefert interessanten Gesprächsstoff und reizt zum Probieren und Nachmachen. Um Ernährungstipps und -empfehlungen regelmäßig an die Eltern weiterzureichen, sind im "Bärenland" Elternabende typisch auch Themenabende. Und Kindergesundheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche. Gemeinsame Koch- und Backaktionen sind alles andere als langweilig. Und gemeinschaftliche Bewegungsangebote für Kinder samt Eltern überfordern weder Kleine noch Große.
"BimBamBino"
Pfungstadt
In Südhessen beweist die Städtische Kindertagestätte BimBamBino, dass soziale und kulturelle Vielfalt ein Ansporn sind, der gesundheitsbewussten Erziehung zeitgemäße, multikulturelle Zuschnitte und Inhalte zu geben. Das Erzieherteam stellt hierbei Phantasie und Improvisationstalent unter Beweis. Systematisch und nachhaltig wird der gesunde Dreiklang: "Bewegung plus Ernährung plus Entspannung" betont. Das sensibilisiert die Kinder für Gesundheitsthemen und sie sammeln prägende Erfahrungen am liebsten hautnah und spielerisch. Schon unter 3-Jährigen nutzen jede Gelegenheit, in kontrollierten Freiräumen ihre Motorik zu verbessern und zu trainieren. Sensible Begleitung hierbei erspart blaue Flecken.
"Fit von klein auf!": Hintergrund & Intention
Kinder respektieren Erwachsene als Autoritätspersonen und Vorbilder. Diese doppelte Verantwortung kommt nirgends sinnvoller zur Entfaltung, als bei der Erziehung zu Gesundheits- und Körperbewusstsein. "Entscheidende Fähigkeiten, Werte und Kompetenzen werden bereits in frühen Lebensjahren trainiert und geprägt", erklärt der Jürgen Thiesen die Beweggründe der BKK zur Ausschreibung des Wettbewerbs. Der systematische Ideenaustausch und Erfahrungstransfer ist erklärtes Ziel von "Fit von klein auf".
Es ist wissenschaftlich belegt: Sozialstatus, Bildungsniveau und Kulturgewohnheiten der Eltern haben messbare Auswirkungen auf den Gesundheitszustand bzw. die Krankheitsanfälligkeit der Kinder. Häufig überfordert es die Erziehungsberechtigten, ihren Kindern gesunde und sportliche Aktivitäten vorzuleben oder zu erklären. Hierauf kommt es jedoch speziell im Kita- oder Kindergartenalter an. In dieser Phase können Eltern und Erzieher gemeinsam die Vorzüge gesunder Ernährung und Bewegung erlebbar und nachvollziehbar machen. Das vermittelt den Kindern die Gefühle "toll", "nützlich", "wichtig“"und "wertvoll" zu sein. Studien belegen: In der kindlichen Lernphase übernommene Werte und Erfahrungen haben lebenslangen Bestand. Somit werden die Grundsteine für gesunde Lebensführung in kindlichen und jugendlichen Jahren gelegt.
Neben dem Vorstandsvorsitzenden des BKK Landesverbandes Hessen haben sich Karl-Heinz Körbel (Eintracht Frankfurt Fußball AG), Dr. Ulrike Kreinhoff (Deutsche Gesellschaft für Ernährung - Sektion Hessen), Prof. Dr. Monika Neuhäuser Berthold (Universität Gießen), Heike Pallmeier (HAGE e.V.), Werner Schaefer, (Olympiastützpunkt Hessen) als ehrenamtliche Juroren engagiert. Deren berufliche oder/und ehrenamtliche Nähe zum Thema "Kindergesundheit" macht sie zu "Profis in Sachen Kindergesundheit" und bürgt für unabhängige und professionelle Bewertungen.
Insgesamt 121 Kitas nahmen am Wettbewerb teil. Die Vielzahl der Bewerbungen zeigt, dass Gesundheitserziehung den Hessischen Kindertageseinrichtungen ein ernstes Anliegen ist.
Bilder von der Veranstaltung finden Sie in unserer Fotogalerie.