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Verleihung des BKK Innovationspreises 2008

Nicht zu trennen: Bildung & Gesundheit - BKK Innovationspreis verknüpft Erziehung und bewusste Lebensführung mit der Gesundheit

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit ist ein wissenschaftliches und sozialpolitisches Dauerthema. In der Tradition dieser Forschung steht auch die Ausschreibung des Innovationspreises „Bildung und Gesundheit“. Der BKK Landesverband Hessen rief Hoch- und Fachhochschüler bundesweit auf, interessante Zusammenhänge zwischen Intellekt, Vernunft, sozialer Prädestination und der Bereitschaft bzw. der Chance zu gesunder Lebensführung zu thematisieren. Im Rahmen der Preisverleihung wurden im Frankfurter Römer die Siegerarbeiten vorgestellt. Vertreter der Landesregierung und der Hochschulen lobten die Initiative als notwendige und sinnvolle Multiplikation eines „dauerhaft relevanten Themas“.

Insgesamt 5.000 Euro Preisgeld gab es für folgende Arbeiten:

1. Preis: „Begleitung“ ist besser als Emanzipation

Die Studie „Bildungsdisparitäten im Gesundheitsverhalten“ von Benjamin Kuntz (Universität Bielefeld / Fachbereich Gesundheitskommunikation) bringt Übergewicht, Tabakkonsum und sportliches Desinteresse in Verbindung mit dem Bildungsniveau sozial schwacher Schichten. Seine Erkenntnisse legen nahe, Gesundheit möglichst facettenreich und engagiert vor allem an Personen und Schichten heranzutragen, in deren Biographien eine Erziehung zu disziplinierter und bewusster Lebensführung vernachlässigt wurde bzw. untypisch ist. Im Grunde provoziert die vorgelegte Arbeit zu der Frage: Was nutzt es, wenn die Nachteile ungesunder Lebensführung zwar verstanden sind, die Betroffenen aber auf guten Rat und Anleitung keinen Wert legen? Die mit „cum laude“ bewertete Bachelorarbeit gibt hierauf keine Antwort. Aber: Die These, wonach formal weniger gebildete Menschen sich im Alltag nur unterdurchschnittlich gesund verhalten, legt nahe, genau solchen Personengruppen mit möglichst konkreten Entscheidungs- und Handlungshilfen zu Seite zu stehen. Diese Klientel, so Kuntz, sollte emanzipiert werden, in familiären Zusammenhängen, am Arbeitsplatz, in Vereinen oder aber in der Öffentlichkeit eine gesündere Lebensführung nicht als Nebensache zu verstehen. Um eine gesunde Lebensführung im Alltag zu verankern, reicht Hilfe zur Selbsthilfe offenbar nicht aus. Gesundheitskommunikation sollte daher systematisch und zielgruppenexakt um Anleitung zu gesunder Lebensführung bemüht sein.

2. Preis: Gutes Betriebsklima kompensiert Stress

Rebecca Thier (Universität Flensburg) nahm „Auswirkungen gesamtgesellschaftlicher Prozesse auf die psychische Gesundheit Beschäftigter“ unter die Lupe. Anonymisierte Personaldaten mittelständischer Unternehmen wurden analysiert, um einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und psychischer Konstitution zu belegen. Die Flensburgerin stellt dar, dass verwaltende, sitzende und planende Tätigkeit nicht weniger belasten, als körperliche Arbeit. Und: Für viele Frauen entsteht aus der gleichzeitigen Verantwortung für Haushaltsführung, Erziehungspflichten plus Berufstätigkeit eine besonders komplexe Stressbelastung. Doch gerade am Beispiel solcher Fälle, wird deutlich dass vor allem ein positives Betriebsklima hilft, diesen Stress abzubauen.

Ihr Vorschlag: Um Arbeit gesünder zu entwickeln, sollten die Belegschaften an der Gestaltung und Organisation ihrer Arbeitsprozesse und –abläufe mitwirken. Außerdem: Personalverantwortliche und Vorgesetzte sollten Sensibilität für außerbetriebliche Belastungen entwickeln. Bereits bei Neueinstellungen könnte eine obligatorische Stressmessung von Vorteil sein. Und wichtig in jedem Falle: Stress – als Indikator für verbesserungswürdige Abläufe und Prozesse – sollte offengelegt und darauf mit konstruktiven Ansätzen reagiert werden.

3. Preis: Engagement setzt Gesundheit voraus

Angela Reichelt (Hochschule Fulda) stellt „Konzeptionelle und praktische Überlegungen zum Aufbau einer Gesundheitsfördernden Hochschule Fulda – unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts Ernährung“ an. In ihrer Masterthesis thematisiert sie universitäre Aus- und Fortbildungen als verhaltensprägenden Lebensraum jugendlicher Bildungseliten. Und aus dem Blickwinkel der Oecotrophologin stellt Reichelt fest, dass das Faible für Fast-Food keinesfalls ein Dilemma vor allem unterprivilegierter Personengruppen ist. Ambitionierte Jungakademiker und angehende Führungskräfte bagatellisierten Essenszeiten und Ernährung gerne als „Break zwecks Nahrungsaufnahme“. Um der Manier „Food must be fast“ entgegenzuwirken, entwickelt Reichelt ein den Vorschlag: In den universitären Lebens- und Bildungswelten junger und ehrgeiziger Generationen sollte die Sensibilisierung für ernährungsabhängige Erkrankungen nicht dem Zufall überlassen bleiben.

Bilder von der Preisverleihung finden Sie in unserer Fotogalerie.

Thema des BKK Innovationspreises 2009:

„Können wir uns Gesundheit noch leisten?“

Im kommenden Semester hinterfragt der Innovationspreis des BKK Landesverbandes Hessen: „Können wir uns Gesundheit noch leisten?“. Der Vorstandsvorsitzende des BKK LV Hessen, Jürgen Thiesen, ermutigte zum engagierten und ideologiefreien Nachdenken über einen zeitgemäßen Gesundheits- und Versicherungsbegriff. Diesbezüglich seien viele Fragen offen. Zum Beispiel: Haben heutige Finanzierungs- und Versicherungsmodelle Bestand? Müssen die Sozialsysteme neuerlich umgebaut werden? Und falls ja: Wie?

Detaillierte Informationen zur aktuellen Ausschreibung sowie zu Teilnahmebedingungen und Fristen finden Sie hier.