Die Einführung der Praxisgebühr hat den Überweisungen eine Renaissance beschert. Denn: Einmal pro Quartal ist die Praxisgebühr für den Besuch beim Arzt zu entrichten. Somit spart - wer nach Erstkonsultation eines Hausarztes im maßgeblichen Zeitraum noch einen weiteren Arzt oder Facharzt aufsucht - mit jeder Überweisung jeweils 10 Euro. Und auch wer als Teilnehmer an einer besonderen Versorgungsform (z.B. Integrierte vernetzte Versorgung) von der 10 Euro-Zahlung befreit ist, müsste andernfalls die Praxisgebühr für weiterführende Behandlungen zahlen.
Typisch: Der Hausarzt überweist zum Facharzt
Eine repräsentative Umfrage von KantarHealth im Auftrag der Betriebskrankenkassen (BKK) verdeutlicht: Die Mehrheit aller Patienten (Hessen: 61 % / Bund: 59 %) hat während der letzten 12 Monaten vom Hausarzt eine Überweisung erhalten oder angefordert. Jeder dritte Patient (38 %) kommt dabei mit dem überweisenden Arzt nicht persönlich ins Gespräch. Stattdessen stellt das Praxispersonal entsprechende Vordrucke aus.
Vor allem Frauen haben sich Überweisungen vorsorglich und ohne vorausgehendes Gespräch mit dem Hausarzt beschafft. Solche "Bevorratungen" machen immerhin 12 Prozent aller Überweisungen aus. Betrachtet man die Gesamtheit aller Überweisungen - unabhängig davon, ob der behandelnde Arzt eine spezialisierte Nachuntersuchung persönlich veranlasst hat oder ob stattdessen eine Überweisung erbeten wurde - dann bleibt festzustellen: Letztendlich nehmen nur vier von fünf Befragten eine vorliegende Überweisung tatsächlich auch in Anspruch.
Anders formuliert: 15 Prozent aller in Hessen Befragten (Bund: 13 %) lassen mindestens eine Überweisung verfallen. Auffällig hoch sind hierbei die Ausfallquoten bei "Überweisungen auf Wunsch". Von den erbetenen Formularen wird nur knapp die Hälfte genutzt. Sind spezialisierte Behandlungen jedoch ausdrücklich bzw. persönlich vom Arzt empfohlen, werden die Dienste der Fachärzte meist (86 %) auch umgehend in Anspruch genommen.
Medizinische Versorgungszentren holen auf
Eine Alternative zur zweigleisigen Betreuungen durch Haus- plus Fachärzte, sind die sog. Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Obgleich nur jeder vierte Bundesbürger erklärt, jemals in einem solcher Verbund oder in einer vergleichbar organisierten Gemeinschaftspraxis behandelt worden zu sein, loben vor allem chronisch Kranke (Hessen: 34 % / Bund: 32 %) und die Bürger der neuen Bundesländer (33 %) das typische Versorgungsangebot der MVZ.
Die Frage: „Sind Sie persönlich schon einmal in einem MVZ behandelt worden?“, beantworten immerhin 40 Prozent aller Berliner und 36 Prozent aller Sachsen mit "Ja!". Thüringen folgt mit 34 Prozent an dritter Stelle. In Hessen bejaht dies immerhin jeder Vierte (25 % / Bund: 24%). Abgeschlagen folgen die Länder Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Hier liegen die entsprechenden Quoten bei lediglich 19 Prozent.
Zu vermuten bleibt grundsätzlich: Das Gros der Befragten hat das medizinische Angebot in den Ballungszentren genutzt. Denn: In den großstädtischen Regionen sind deutlich mehr MVZ etabliert als in ländlichen Regionen. Das belegt die These: Das Angebot schafft eine Nachfrage.
Im Verbund und der Arbeitsteilung eines MVZ arbeiten die "Kollegen" offenbar besonders kooperativ. Jeder zweite Patient wurde nämlich von einem weiteren Facharzt untersucht oder behandelt. Und das genau ist der Vorzug solcher MVZ: Hier arbeiten Ärzte und Fachärzte unter einem Dach und stimmen ihre Leistungsangebote aufeinander ab. Das hat den Vorteil: Die Patienten können ohne lange Wege und Wartezeiten selbst mit komplexen Beschwerden binnen kurzer Zeiten umfassend betreut werden. Idealerweise können die behandelnden Ärzte sogar eine gemeinsame Krankenakte anlegen und diese interaktiv pflegen.
Hierzu befragt, gaben immerhin drei von fünf Patienten (59 %) an: Innerhalb des besuchten MVZ konnten alle Beschwerden von den dort organisierten Ärzten behandelt werden. Andernfalls mussten die Patienten dann doch noch zu einem Facharzt außerhalb des MVZ pendeln.
Fazit der BKK:
Offenbar überzeugen die multitalentierten Ärztehäuser. Indiz hierfür: Immerhin rund ein Drittel der Versicherten (insgesamt 29 % aller Befragten; hierunter überdurchschnittlich viele Privatversicherte, "MVZ-Erfahrene" sowie Bürger der neuen Bundesländer) nehmen bis zu 30 Minuten Anfahrtszeit in ein MVZ in Kauf, ehe sie sich dem wohnortnahen Allgemeinmediziner anvertrauen. Andererseits: Patienten ohne oder mit nur randläufiger Erfahrung mit Ärztehäusern oder Verbundpraxen, haben eine treue Vorliebe für ihren "Doktor um die Ecke".
Immerhin 69 Prozent aller Befragten erklärten, dass sie keine Vorliebe für das "Doktor-Hopping" haben und stattdessen vor allem auf Rat und Beratung ihres niedergelassenen (Haus)Arztes vertrauen.
Weitere Informationen finden Sie im BKK Faktenspiegel: